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Archiv

Historische Zeitungsartikel aus dem Stadtarchiv

07.05.1903 - Potsdamer Tageszeitung

Werder. Die Blütenpracht ist vorbei, zwischen dem Grün der Bäume hindurch sieht man hie und da noch die Blüte eines Apfelbaumes leuchten, und zur kleinen grünen Frucht formt sich der Fruchtknoten der noch vor wenig Tagen in so schneeigen Blüte stehenden Kirsche. Dennoch fehlt es noch immer nicht an Besuchern, welche das Wachsen und Werden in den Geländen bewundern. Das Verhalten der Obstzüchter in der Stadtverordneten-Versammlung gegenüber der Bitte des Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs ist mit Recht von der Presse getadelt worden; aber der nichtige Grund, welchen man vorschob, das Gesuch abzulehnen, war verfehlt. Schaden richten ja „unvernünftige“ Fremde vielfach an, indem sie Zweige von den Bäumen abreißen; aber in diesem Ablehnungsfalle richtete sich der Groll gegen den Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs selbst. Die Herren des Vereins hatten schon in den warmen Tagen des März die Reklametrommel geschlagen und durch diese verfrühte Reklame die Gemüter erregt und die Erwartung erzeugt, daß die Fremden enttäuscht unserer Stadt mehr und mehr den Rücken kehren würden. Dank der Vorsicht der Eisenbahn und der Dampfergesellschaft ist man dem Augenscheine und nicht der schreierischen Reklame gefolgt und hat einen Blütenbesuch erzielt, der trotz der Kürze der Blütezeit beinahe alle seine Vorgänger geschlagen hat. Die Eisenbahnverwaltung hat durch den Bau der Unterführung der Geleise die Gefahr für die Blütenbesucher gehoben; aber unvollständig ist die Arbeit doch noch. Dies zeigte sich am letzten Sonntag abend, als beide Bahnsteige voll Blütengästen standen und ein wenige Minuten andauernder Platzregen niederging; es fehlte die Überdachung der Bahnsteige, und deshalb weichten fast alle durch. Schon seit langen Jahren ist um eine Überdachung der Bahnsteige gebeten; aber trotz des ständig zunehmenden Verkehrs ist unserm Bahnhofe versagt, was schon viele Haltestellen an anderen Bahnen haben. Erfreulich ist eine Neueinrichtung der Sterngesellschaft. Deselbe hatte während der ganzen Blütezeit einen Billettverkäufer hier, der Station „Bismarckhöhe“ und „Überfahrt“ bediente. Der Mann hatte zwar seine Arbeit; aber er war dem Publikum äußerst willkommen, weil er allen Fragenden in liebenswürdigster Weise Auskunft gab. Auch die Fähre hat mit ihrem Zehnminuten-Verkehr sich einen sehr guten Ruf erworben.

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