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Die Geschichte des Baumblütenfestes
Das Baumblütenfest ist ein Volksfest in Werder an der Havel, zu dem jährlich an neun Tagen etwa 500.000 Menschen kommen, um blühende Obstgärten und die fruchtigen Obstweine zu genießen.
So schrieb der General-Anzeiger-Werder am 13.03.1879: "Anlaß dazu, in jedem Jahr ein Blütenfest zu feiern, war eine Idee des Obstzüchters Wilhelm Wils aus Werder. Auf seinen Vorschlag hin wurde am 13.3.1879 in einer Vorstandssitzung des Werderaner Obstbau-Vereins beschlossen, den Höhepunkt der Baumblüte in allen Berliner Zeitungen bekannt zu geben und alle Naturfreunde zu diesem Schauspiel einzuladen."
Ursprung war also der Gedanke, allen Menschen die Naturschönheiten des Havelstädtchens und seiner Landschaft nahezubringen. Doch mit Sicherheit spielte der Gedanke von guten Geschäften für die Stadt und die Obstbauern dabei eine nicht unwichtige Rolle. Jedenfalls erwies sich die Idee als grandios, denn schon am 10.Mai 1879 rollte gegen 16 Uhr aus Berlin ein Extrazug mit Baumblütengästen an, dem an den beiden nächsten Tagen weitere Züge folgten."
Das Interesse wurde von Jahr zu Jahr größer und die Stadt in Nah und Fern bekannter. Schausteller und Veranstalter sind sich darüber einig, das Baumblütenfest in Werder (Havel) gehört zu den größten Volksfesten in Deutschland.
Bis 1979 wurde das Baumblütenfest zwar als Volksfest bezeichnet, war aber arm an Traditionspflege und die Beteiligung der Werderaner Bürger außerhalb des Wein-, Kuchen- und Kaffeeverkaufs war kaum gegeben. Das DDR Regime hatte auch von Anfang an seine Probleme mit dem Charakter Baumblütenfestes als erste Einnahmequelle eigenständiger Obst- und Weinproduzenten. Nicht selten sorgten auch Blütengäste für Probleme in der Stadt. So wurde im Jahr 1977 die Höhengaststätte „Friedrichshöhe“ von randalierenden Jugendlichen erheblich beschädigt und die herangerückte Bereitschaftspolizei hatte Mühe die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Der nahe Termin des 100. Baumblütenfestes 1979 verhinderte sicher die von der politischen Führung schon zu diesem Zeitpunkt gewünschte Unterdrückung des Baumblütenfestes.
1979 wurde das 100. Baumblütenfest noch ein letztes Mal in der DDR-Zeit zu einem Fest der Werderaner. Mit einem großen Festumzug, der von den Kindergärten, Schulen, Betrieben und den Bürgerinnen und Bürgern gestaltet wurde, konnten die Gäste die einhundertjährige Tradition Revue passieren lassen. Viele Teilnehmer des Umzuges trugen historische Kostüme und fuhren in historischen Fahrzeugen, die zumeist aus Privatbesitz oder von der DEFA stammten.
In den kommenden Jahren wurde das Fest, offiziell zumindest, nicht mehr groß gefeiert. Es gab eine alljährliche Landmaschinenausstellung auf der Friedrichshöhe und einen Rummel. Der Verkauf von Obstwein wurde reglementiert und ein Ausschank in Gärten und auf den Höfen unterbunden. Erst nach der Öffnung der Grenzen im November 1989 begannen die Westberliner wieder ihr in Vergessenheit geratenes Umland zu erkunden und sich an alte Traditionen zu erinnern. Wurden 1993 zum 114. Baumblütenfest noch ca. 300.000 Besucher gezählt so waren es zu Spitzenzeiten 1998 zum 119. Baumblütenfest ca. 750.000 Besucher. Bei diesen Besucherzahlen ist das Aufnahmevermögen unserer Stadt fast erschöpft. Heute kommen jährlich etwa 500.000 Blütengäste in unsere Stadt, um das Baumblütenfest zu erleben.
Seit 1989 wird jährlich zum Baumblütenball, der nun wieder im rekonstruierten „Großen Ballsaal“ der Bismarck(s)höhe stattfindet, die Baumblütenkönigin gekrönt. Die Bewerberinnen auf das Amt, die jungen Frauen dürfen übrigens nur aus Werder oder einem Ortsteil stammen, müssen sich einer Jury stellen, die aus Unternehmern und Erzeugern sowie aus Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Werder besteht. Der Fragenkatalog, den die Jury dabei abzuarbeiten hat, ist lang und beinhaltet Fragen zur Geschichte von Werder, dem Baumblütenfest, dem Obstwein, der Obstsorten und Bäume und Allgemeines. Kein Wunder, wird doch die neue Repräsentantin unserer Blütenstadt gesucht, die einheimische Unternehmen in ganz Deutschland, ja sogar in Europa, würdig vertreten soll. Auch auf Messen, wie zum Beispiel der „Grünen Woche“ in Berlin oder zu den diversen Veranstaltungen, die das ganze Jahr über in Werder stattfinden, repräsentiert die Baumblütenkönigin die Stadt Werder und ihre Unternehmen.
1997 gab es erstmals seit 1979 wieder einen Festumzug, der von den Schulen, Vereinen, Bürgern und Gewerbetreibenden gestaltet wurde. Die Mitwirkenden begleiten in ihrer Mitte die neugewählte Baumblütenkönigin und den Bürgermeister der Stadt Werder (Havel), Herrn Werner Große (CDU), zur Hauptbühne auf dem Markt, um dann offiziell das Baumblütenfest zu eröffnen. Wem die Blütenpracht entlang der Feststrecke nicht ausreicht, der hat die Möglichkeit, Rundfahrten durch die blühenden Obstplantagen der umliegenden Ortsteile zu unternehmen. Hier werden neben Busfahrten auch Kutsch- und Kremserfahrten angeboten.
Besonders zu empfehlen ist ein Ausflug zum Panoramaweg Werderobst, der durch blühende Plantagen von Petzow über Werder nach Derwitz führt. Wenn Sie mit dem Zug anreisen geht´s nicht einfacher. Am Bahnof Werder starten die Busse der Havelbus Verkehrsgesellschaft zu den Blütenrundfahrten. Man kann auch aus dem Shuttle-Bus aussteigen, eine Strecke zu Fuß zurücklegen um dann später wieder in den Bus zu steigen (ohne eine neue Fahrkarte lösen zu müssen). Eine blühende Kirschplantage von 4 oder 5 ha zu sehen, ist schon ein Erlebnis. |













































